Mobil mit Stil – MJA in den Ortsteilen von Königs Wusterhausen meets AG OBST

In der vorletzten Woche waren die vier Sozialarbeiter von Montag bis Mittwoch in den Ortsteilen nicht anzutreffen, was war denn da los?

Wie in unseren Projekten angekündigt, waren wir vier Kollegen vom Kreissportbund/Kreissportjugend und dem Stadtjugendring aus den Ortsteilen gemeinsam auf der diesjährigen Fachtagung der AG OBST. Und nein, wir haben natürlich nicht gelernt, mit welchem Steinobst man besonders gut Kuchen backen kann und was sich gut für  die Herstellung von Marmelade und Gelee eignet. AG OBST steht für die (A)rbeits(G)emeinschaft (O)rganisation (B)undesoffenes (S)treetworker(T)reffen, zu welcher jährlich über hundert Sozialarbeiter aus den Bereichen Streetwork und Mobiler Jugendarbeit aus dem gesamten Bundesgebiet, aber auch dem deutschsprachigen Ausland zusammenkommen und getreu dem Motto: „Von Fachkräften-Für Fachkräfte“ in verschiedenen Workshops Themen aus den jeweiligen Arbeitsschwerpunkten an andere Sozialarbeiter vermitteln.

Ort der diesjährigen Veranstaltung war das beschauliche Duderstadt in der Nähe von Göttingen in den Westausläufern des Harzes. Und da es in diesem Jahr das 20. Treffen war, gab es sogar einen Festakt mit einem Plenum, in welchem Fachkräfte aus verschiedenen Alters- und Erfahrungsgruppen über ihren Alltag und besondere Erlebnisse und Highlights, aber auch ihre ersten Projekte erzählten sowie ein Konzert am Abend. Neben der großen Möglichkeit zum fachlichen Austausch nahmen wir an verschiedenen Seminarangeboten teil. Und während der eine im Workshop „Arbeitsorganisation, Standards und Webwork – Das SorglosPaket für Einsteiger*innen“ sich über Fachliche Standards und Rahmenbedingungen, Unterschiede der Arbeit im städtischen und ländlichen Raum, Kernleistungsgebiete, Erstkontakt und die Gestaltung dessen, „Fettnäpfchen“, das Nähe-Distanz-Verhältnis und das Thema Webwork unterhielt und Einführungen in die Themengebiete bekam, war der nächste im Thema, „Was muss Streetwork in der praktischen Arbeit wissen? Rechtliche Grauzonen“, unterwegs. Hier ging es natürlich um das omnipräsente Thema Datenschutz und den Umgang mit sensiblen Daten, Bedingungen von Datenweitergabe und Schweigepflicht, den Ablauf von Strafverfahren und die präsente Diskussion zum Thema: „Aussageverweigerungsrecht in der sozialen Arbeit“. Des Weiteren bestand die Möglichkeit zum Fachaustausch und zur konkreten Rechtsberatung mit zwei Rechtsanwälten. Aber auch der Workshop „Nazis, voll 20. Jahrhundert? – Rex: Theorie, Praxis, eigene Haltung“ wurde von einem Mitglied unseres Teams besucht. Neben einer gemeinsamen Begriffsdefinition und des Begriffs „Rechtsextremismus“ ging es auch um die eigene Bewertung der Begrifflichkeit, verschiedene Dimensionen und die Frage, was die Szene interessant für junge Menschen macht und welche Zielgruppen von ihr angesprochen werden. Aber auch fachlicher Erfahrungsaustausch zum Umgang mit entsprechendem oder tendenziell anfälligem Klientel wurde begangen. Auch hier gab es als Grundlage wieder reichlich gemeinsame Begriffsklärung, damit alle Teilnehmer auch von den selben Dingen sprechen. Des Weiteren gab es eine kleine Retrospektive sowie Input über die Darstellung und das Auftreten sogenannter „Neuer Rechter“ bzw. die aktuelle Erscheinungsformen. In Gruppenarbeit, wurden die BAG-Standards zum Thema, aber auch die Themen Grenzen und eigene Haltung erarbeitet. Der vierte Besuch eines Workshops durch ein Teammitglied setzte sich mit dem Thema, „Streetwork mit Menschen mit Migrationsbezug – Einblicke in die Lebenswelt von marginalisierten Zielgruppen“, auseinander. Auch hier waren zunächst die eigene Haltung zu provokanten Aussagen zentrale Fragen, um sich selbstkritisch mit seiner fachlichen und persönlichen Einstellung auseinanderzusetzen. Im Anschluss berichtete ein Streetworker des Gangway-Teams Friedrichshain-Kreuzberg über seine Arbeit mit jugendlichen Roma und ihren Familien in der Nähe des Berliner Ostbahnhofs. Natürlich nicht ohne auch einen geschichtlichen Abriss zu Sinti und Roma, aber auch Einblicke in ihre Kultur und Lebenswirklichkeit zu geben. Dies wurde natürlich methodisch vielfältig getan und auch eine kleine selbstgedrehte Reportage durfte nicht fehlen. Darüber hinaus entstand ein schöner Austausch mit Kollegen aus anderen Städten, welche mit ähnlicher Klientel arbeiten. Der zweite Teil des Workshops setzte sich mit der Arbeit mit jungen geflüchteten Migranten auseinander und bot darüber hinaus Einblick in das Prozedere eines Asylverfahrens. Mittels des bekannten Formats, „1,2 oder 3“, wurden Kennzahlen zu Flucht und Migration in Deutschland, Europa, aber auch weltweit vermittelt. Darüber hinaus gab es einen Block zum Thema, „ANKOMMEN“, welcher wieder von einer selbstgedrehten Dokumentation von und über jugendliche Migranten aus Berlin-Reinickendorf eingeleitet wurde. Der Workshopteil bezog sich auf die Arbeit mit den Migranten und Flüchtlingen und ihre Lebensrealität, Probleme, stellte aber auch positive Erlebnisse sehr gut dar.

Alles in allem waren es drei intensive, aber auch sehr lehrreiche Tage und ein erneuter Besuch im nächsten Jahr ist natürlich angestrebt. Dann geht es ins beschauliche Schleswig-Holstein. Sollten wir denn einen der begehrten Plätze erhalten.